„Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen“


Projekt „Studium + M“ inspiriert zwei Studienarbeiten

Von Ann-Kathrin Landzettel

Felix Straßer und Esra Erbas gehören von Anfang an zum Tutoren-Team von „Studium + M. Programm für mehr Studierende mit Migrationshintergrund“ des Studierendenwerks Darmstadt. Der intensive Austausch im Team sowie die vielen Gespräche, Erfahrungen und Anregungen im Rahmen des bundesweiten Projekts haben beide geprägt – und nicht mehr losgelassen. „Ich hatte das Bedürfnis, mich tiefer in das Thema ‚Studium mit Migrationshintergrund‘ einzuarbeiten. Da war die Idee nicht weit weg, meine Bachelorarbeit hierüber zu schreiben“, sagt Felix. Esra verspürte diesen Wunsch bei ihrer Hausarbeit.

Felix_BankFelix Straßer ist von Beginn an mit dabei: 2013 kommt er in das Interkulturelle Tutoren Team (ITT) des Studierendenwerks Darmstadt und unterstützt seine Kommilitoninnen und Kommilitonen unter anderem bei Fragen rund um den Unialltag und das Leben in Darmstadt. Auch gemeinsame Freizeitaktivitäten organisiert er mit. 2015 wechselt er als Tutor zum Projekt „Studium + M“ und entscheidet sich dazu, aufgrund der Anregungen und Erfahrungen, die er im Laufe des Projekts sammeln konnte, das Thema Migration auch in seiner Abschlussarbeit aufzugreifen.

Studieren mit Migrationshintergrund: Was sind die Erwartungen?

Gegenstand seiner Bachelorarbeit am Institut für Soziologie ist die Studie „Zukunftspläne nach der Schule 2016“. Sie wurde vom Studierendenwerk Darmstadt im Rahmen des von der Stiftung Mercator geförderten Projekts „Studium + M“ in Auftrag gegeben und vom Institut für Soziologie der Technischen Universität Darmstadt durchgeführt. Über 1300 Oberstufenschüler*innen von 15 Schulen aus Darmstadt beziehungsweise aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg wurden befragt.

 

Das Ziel war, die Studierneigung von deutschen Schüler*innen und solchen mit Migrationshintergrund zu erfragen und mögliche Hürden auf dem Weg zum Studium zu erfassen. „Ich war bei der Erstellung der Studie mit dabei und habe auch bei der Auswertung der Fragen geholfen“, sagt Felix. „Ich fand das total spannend und das Thema hat mich nicht mehr losgelassen.“ Für seine Bachelorthesis „Der Effekt optimistischer Werteerwartungen auf die Bildungsaspiration Jugendlicher mit Migrationshintergrund“ schaute Felix sich die Ergebnisse der Untersuchung genauer an und legte seinen Schwerpunkt unter anderem auf die Frage, welche Erwartungen und Wünsche an ein mögliches Studium geknüpft sind.

 

Symbolische Gewalt: Der Begriff „Migrationshintergrund“ in der Kritik

Esra Erbas 1404x936Tutorin Esra Erbas ließen die Projekt-Erfahrungen ebenfalls nicht los. In ihrer Hausarbeit „Symbolische Gewalt im Kontext von Migration“ im Rahmen ihres Bachelor-Studiengangs „Soziale Arbeit plus Migration und Globalisierung“ setzt auch sie sich intensiv mit dem Thema Migration auseinander und beleuchtet insbesondere den Zusammenhang zwischen Sprache und symbolischer Gewalt. Der Fokus ihrer Hausarbeit liegt auf der Einordung des Begriffs „Migrationshintergrund“. In ihrem abschließenden Fazit schreibt sie: „[…], dass die Betitelung ‚Migrationshintergrund‘ eine symbolische Gewalt darstellt. Sie hat weitreichende Folgen für die Betroffenen. Denn nicht nur das Gefühl des ‚anders‘-Seins wird habitualisiert, auch die Herrschaftsverhältnisse bleiben dadurch erhalten und festigen die Benachteiligung durch die Betitelung.“ Und weiter: „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich mich schon sehr lange damit beschäftige, ob ich nun Türkin mit deutschem Pass bin, oder eher ‚deutsch‘ oder doch ganz Türkin, denn egal wie sehr ich darüber nachdenke, ist das Gefühl durch den Habitus und durch die symbolische Gewalt nicht rational zu beantworten.“

Projektleiterin Christina Wendt unterstützte die Idee der beiden Arbeiten von Anfang an: „Ich finde es unheimlich toll und beeindruckend, dass sich zwei Tutoren mit Themen, die auch das Projekt ‚Studium + M‘ antreiben, in ihrer Bachelor- und Hausarbeit auseinandersetzen. Das zeigt, dass das Projekt in den Köpfen wirklich etwas bewegt.“

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *