Gezielte Informationen zu Nutzen und Kosten eines Studiums erhöhen die Studienaufnahme


DIW-Studie untersucht Auswirkungen gezielt bereitgestellter Informationen zum Studium – AbiturientInnen studieren durch Infoworkshop häufiger, insbesondere, wenn sie Eltern ohne Hochschulabschluss haben und bereits vor dem Workshop eine Studienabsicht äußern – Infoworkshop ist effektives Mittel, um Bildungsungleichheiten zu reduzieren

Informationen über Nutzen und Kosten eines Studiums, die SchülerInnen ein Jahr vor dem Abitur in Form eines Workshops in der Schule vermittelt werden, erhöhen die Studienaufnahme. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die auf dem Berliner Studienberechtigten-Panel, kurz „Best Up“, basiert. Die Informationen bestärken demzufolge vor allem SchülerInnen, die bereits vor dem Abitur eine Studienabsicht äußern, diese später tatsächlich umzusetzen. Das gilt insbesondere für AbiturientInnen, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben. „Gezielte Informationen zum Studium sind ein effektives Mittel, um Bildungsungleichheiten in der Studienaufnahme zu reduzieren“, schlussfolgert C. Katharina Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie am DIW Berlin und gemeinsam mit Frauke Peter und Vaishali Zambre Autorin der Studie. „Entsprechende Infoworkshops sollten daher von Ländern, Kommunen und Schulen verstärkt in Betracht gezogen werden, zumal sie eine vergleichsweise kostengünstige und wenig zeitintensive bildungspolitische Maßnahme sind.“

Aufnahme eines Studiums hängt nach wie vor stark vom Elternhaus ab

Ob junge Erwachsene nach dem Abitur ein Studium aufnehmen, hängt in Deutschland nach wie vor stark von der Bildung der Eltern ab. AbiturientInnen, die aus einem nichtakademischen Elternhaus kommen, studieren deutlich seltener – selbst dann, wenn sie vor dem Abitur beabsichtigten, nach der Schule ein Hochschulstudium aufzunehmen. Inwiefern gezielte Informationen daran etwas ändern können, haben die DIW-Wissenschaftlerinnen auf Basis der „Best Up“-Daten untersucht.

Für SchülerInnen, die ein Jahr vor dem Abitur standen, wurden Informationsworkshops veranstaltet, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse zu Nutzen und Kosten eines Studiums im Vergleich zu Ausbildungsberufen präsentiert wurden. Dabei ging es beispielsweise um Einkommensunterschiede und das Risiko, später arbeitslos zu sein. Die Konzentration auf Berliner Schulen hat den Vorteil, dass die Auswirkungen der bereitgestellten Informationen unabhängig vom Schulsystem und von Faktoren wie der Entfernung zu Universitäten untersucht werden können, die – wie andere Studien bereits gezeigt haben – die Wahrscheinlichkeit einer Studienaufnahme ebenfalls beeinflussen.

Studienaufnahme steigt, Studienabbruchquote nicht

Nachdem eine erste Studie auf Basis der „Best Up“-Daten bereits ergeben hatte, dass AbiturientInnen, die den Infoworkshop besuchten, anschließend häufiger ein Studium anstreben, zeigt sich nun auch, dass sie dieses Vorhaben tatsächlich umsetzen. Rund 48 Prozent der Infoworkshop-TeilnehmerInnen schreiben sich direkt nach dem Abitur an einer Hochschule ein – fast zehn Prozentpunkte mehr als unter den SchülerInnen, die den Workshop nicht besuchten. Betrachtet man nicht nur die Studienaufnahme direkt nach dem Abitur, sondern innerhalb des ersten Jahres, steigt der Anteil der StudienanfängerInnen unter den WorkshopteilnehmerInnen um knapp sechs Prozentpunkte auf etwa 64 Prozent.

Deutlich größer ist der Effekt des Workshops bei den AbiturientInnen, die bereits zuvor beabsichtigten, nach dem Abitur zu studieren. In der Gruppe derer, die eine Studienabsicht äußern und aus nichtakademischem Elternhaus kommen, steigt die Studienaufnahmequote innerhalb des ersten Jahres nach dem Abitur um knapp 15 Prozentpunkte auf fast 80 Prozent. „Besonders Kinder mit Nichtakademikereltern, die nach dem Abitur studieren möchten, werden infolge des Infoworkshops offenbar derart in ihrem Vorhaben bestärkt, dass sie tatsächlich deutlich häufiger ein Studium beginnen“, fasst DIW-Bildungsökonomin Frauke Peter zusammen.

Da die SchülerInnen über einen Zeitraum von vier Jahren insgesamt sechsmal befragt wurden, konnten die Wissenschaftlerinnen auch untersuchen, ob die StudentInnen bei ihrem Studium bleiben oder dieses wieder abbrechen. Dabei zeigte sich, dass die Abbruchquote innerhalb der ersten zwei Jahre nach Beginn des Studiums nicht steigt. „Es ist also nicht so, dass die Infoworkshops die jungen Erwachsenen zu einem Studium verleiten, von dem sie später merken, dass es nicht das Richtige für sie ist“, erklärt Studienautorin Vaishali Zambre. „Das verdeutlicht umso mehr, wie effektiv gezielte Informationen zum Studium sind, um Bildungsungleichheiten zu reduzieren“, ergänzt Spieß. Dabei gehe es nicht darum, dass möglichst alle AbiturientInnen eines Jahrgangs studieren sollten, betont Spieß. „Um die Bildungspotentiale einer Volkswirtschaft möglichst optimal zu nutzen und die Chancengerechtigkeit zu erhöhen, muss der Bildungshintergrund der Eltern aber deutlich an Gewicht verlieren.“

 

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