„Macht und Auswirkung interkultureller Diskurse“


– Warum interkulturelle Workshops nicht frei von Stolpersteinen sind –
„Interkulturelle Pädagogik ist nicht frei von Generalisierungen und nicht neutral“, weiß Dr. Safiye Yıldız, akademische Rätin in der Abteilung Sozialpädagogik an der Universität Tübingen. In dem Workshop „Macht und Auswirkung interkultureller Diskurse“ im Rahmen des Projekts „Studium+M“ suchte sie zusammen mit Teilnehmer*innen der Abteilung Beratung und Soziales des Studierendenwerks Darmstadt u. a. nach interkulturellen Stolpersteinen. Und diese verstecken sich oftmals genau dort, wo interkulturelle Kompetenz eigentlich gefördert werden soll.
„In der interkulturellen Pädagogik sind häufig nationale Vorstellungen von Kultur anzutreffen“, sagt Dr. Safiye Yıldız, die seit vielen Jahren zu interkultureller, transkultureller Erziehung und Diversität forscht und sich mit der Frage beschäftigt, warum und in welchen Kontexten Rassismus und Diskriminierung ständig neu reproduziert werden. Einen Teil trägt ihr zufolge die Pädagogik bei. Darunter auch Maßnahmen, die interkulturelle Kompetenzen eigentlich fördern sollen. Denn viele dieser Projekte haben das Ziel, die verschiedenen Kulturen kennenzulernen, um tolerant und vorurteilsfrei mit ihnen umgehen zu können. Dass genau dieses Vorgehen Differenzen betont, ist vielen allerdings nicht bewusst. „Man kann nicht etwa von „DEN“ Türken, „DEN“ Deutschen sprechen, ohne die Heterogenität dieser so formulierten Kollektive, die unterschiedlichen sozialen Herkünfte, die unterschiedlichen Biografien und Erfahrungen zu berücksichtigen. „Wie kommt es also, dass ich auf kulturelle Unterschiede zurückgreife, um sie einzuordnen?“, fragt Yıldız. „Zuschreibungen dieser Art gehen immer auch mit Abgrenzung und Ausschließung einher, indem stets eine vermeintliche Andersartigkeit betont wird. Wenn etwa die Herkunft zu Beurteilungen oder gar zu Verurteilungen führt, muss das kritisch hinterfragt werden.
Wichtig ist laut der Migrationsexpertin, dass wir uns Zuschreibungen und Ausgrenzungen bewusst werden. Die eigene Haltung und die Haltung anderer können reflektiert und thematisiert werden. Dazu dienen u. a. rassismuskritische Theorien als Reflexionsfolie, die in dem Workshop aufgegriffen wurden.

 

Christina Wendt (Projektleiterin)

 

Workshop Gruppenbild

Momentaufnahme aus dem Workshop

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