Mehr Talentscouts für Nordrhein-Westfalen


Wer sich mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit in Deutschland befasst, hat zweifelsohne schon von Suat Yilmaz und seinem Projekt „Meine Talentförderung“ gehört. In den Schulen des Ruhrgebiets suchen sein Team und er sehr erfolgreich nach begabten Schüler/innen, die sich trotzdem meist gegen ein Studium entscheiden. Zu diesem Personenkreis gehören insbesondere Jugendliche aus Nichtakademiker- und Migrantenfamilien. In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben Suat Yilmaz und sein Team mehr als 500 Schüler/innen beraten.

Dieses Programm wird nun weiter ausgebaut. Das Land Nordrhein-Westfalen wird in den kommenden vier Jahren rund 22 Millionen Euro in die Talentförderung im Hochschulbereich investieren. Das hat Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, gemeinsam mit Vertretern der Westfälischen Hochschule an der das Projekt Talentscout angesiedelt ist, im Dezember letzten Jahres vorgestellt.

Da dieses Programm unserem so ähnlich ist, haben wir näher nachgefragt. Während Studium+M noch in der Theorie steckt, macht das „Meine Talentförderung“-Team schon seit Längerem konkrete gute Arbeit. Sie gehen direkt auf die Jugendlichen zu, die sie für ein Studium gewinnen wollen. Da können wir uns sicher noch was abgucken 😉

Besonders interessant finden wir, dass mit den Hochschulen und den zwei von Studium+M geförderten Studentenwerken in Köln und Bonn, sich NRW ganz schön was tut. Wir behalten das mal im Auge!

Pilotprojekt zum „Ausbau des Talentscoutings in NRW“

Pressefoto: Vier Personen stehen in einer Reihe und lächeln in die Kamera

Suat Yilmaz (2.v.l.), bei der Landespressekonferenz am 10. Dezember 2014 in Düsseldorf zum „Ausbau des Talentscoutings in NRW“. Außerdem im Bild (v.l.n.r.) Marcus Kottmann, Leiter der Abteilung „Strategische Projekte“, Westfälische Hochschule, NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule

„Jugendliche, die ein Zimmer mit mehreren Geschwistern teilen, keinen Internetanschluss und keinen PC besitzen, nach der Schule im Haushalt helfen, arbeiten gehen, erst nach 21 Uhr für die Schule lernen können und dabei einen Notendurchschnitt von 2,5 schaffen, da kann man erkennen: Das sind Leistungsträger oder eben Talente. Wir haben von diesen engagierten und talentierten Jugendlichen in der Metropole Ruhr eine ganze Menge. Mit dem Scouting versuchen wir diese Talente bei so vielen wie möglich auch zur Entfaltung zu bringen.“

Das Verfahren

Die Hochschulen des Ruhrgebiets sind dazu aufgerufen worden, sich um eine Teilnahme am Talentscouting zu bewerben. Sie müssen ein Konzept einreichen, das darlegt, wie sie das Talentscouting inhaltlich gestalten, strukturell verankern und in die Hochschulstrategie integrieren wollen.

Es gilt aufzuzeigen, welche Angebote für den Übergang in die Hochschule und für die Studieneingangsphase an der Hochschule bereits etabliert sind, wie die Nachhaltigkeit bzw. Wirksamkeit dieser Maßnahmen gesichert wird und wie sich das Talentscouting mit den bereits vorhandenen Angeboten verknüpfen lässt.

Eine Expertenjury wird die eingereichten Anträge begutachten und in einem ersten Schritt fünf Hochschulen auswählen. Weitere vier können 2017 hinzukommen. Jede teilnehmende Hochschule erhält jährlich bis zu 500.000 Euro für die Talentförderung. Pro Hochschule werden zwei bis fünf Talentscouts eingesetzt. Die ersten Talentscouts sollen ihre Arbeit im Juli 2015 aufnehmen.

Expertenjury

Eine fünfköpfige Expertenjury wird die Konzepte begutachten. Die Juror/innen stammen aus den Bereichen Wissenschaft, Stiftungswesen und Verwaltung. Namen konnte das Ministerium noch nicht nennen.

Gelsenkirchen: NRW-Zentrum für Talentförderung

Die Westfälische Hochschule verfügt über einen Erfahrungsschatz, von dem andere Hochschulen profitieren können. Deshalb wird am Standort Gelsenkirchen ein NRW-Zentrum für Talentförderung eingerichtet. Diese „Servicestelle“ unterstützt die Hochschulen, die auch Talentscouting-Strukturen aufbauen wollen, bei der operativen Arbeit. Die Mitarbeiter/innen werden den Hochschulen das Grundmodell des Talentscoutings vermitteln, die neuen Talentscouts bei ersten Schuleinsätzen begleiten und einen kontinuierlichen Erfahrungstransfer organisieren. Darüber hinaus sollen hier neue Formate der Talentförderung entwickelt, erprobt, evaluiert und in die Breite getragen werden.

Porträt von Ministerin Schulze

Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW | (c) Dietmar Wadewitz

„Mit dem Ausbau des Talentscoutings wollen wir die Bildungsgerechtigkeit in unserem Land fördern. Das Programm soll soziale Schieflagen ausgleichen und Hürden auf dem Weg in die Hochschule abbauen. Talentierte Jugendliche, die ein Studium auf Grund ihrer Herkunft bisher nicht in Erwägung ziehen, erhalten durch die Talentscouts Unterstützung. Je mehr Talentscouts im Einsatz sind, desto mehr Potenziale können wir heben. Daher freue ich mich, dass bereits viele Hochschulen Interesse an einer Teilnahme bekundet haben.“

 

Website „Meine Talentförderung“

Pressemitteilung des Wissenschaftsministerium Nordrhein-Westfalen


Über Bettina Kracht | Deutsches Studentenwerk

Ich arbeite seit 2010 im Referat Presse des Deutschen Studentenwerks und begleite das Programm Studium+M als Redakteurin des Blogs. Ich hoffe, mit dem Blog viel Wissen, Material und Experteninterviews zum Thema „Studieren mit Migrationshintergrund“ sammeln zu können, um mit diesem Erfahrungsschatz weitere Studentenwerke bei der Umsetzung ähnlicher Projekte zu unterstützen.

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