Statussymposium Studienpioniere 1


Im Juli nahm das Projektteam Studium? Läuft! aus dem Studierendenwerk Bonn an dem Statussymposium des, ebenfalls von der Mercator Stiftung initiierten, Projekts Studienpioniere teil. Das Projekt wurde 2013 auf den Weg gebracht und unterstützt zehn Fachhochschulen dabei, einen Beitrag für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu leisten. Im Unterschied zum Projekt Studium+M gehören Schüler/innen aus Nicht-Akademikerfamilien zur Kernzielgruppe des Projekts.

Nach zwei Jahren hat das Projekt nun Halbzeit und zog mit dem Statussymposium eine Zwischenbilanz: Welche Herausforderungen gab es für die Umsetzung der Konzepte? Welche Hindernisse und Erfolgsfaktoren sind für die Studienpioniere besonders ausschlaggebend?

Mit der Elevator Pitch-Methode wurden die zehn Konzepte der Fachhochschulen rasend schnell innerhalb von 30 Minuten vorgestellt. Weitere Fragen konnte man an den einzelnen Ständen der Fachhochschulen im Foyer stellen.

Ganz besonders hat uns bei der Tagung, die übrigens auch von den Kölner Kolleginnen besucht wurde, der äußerst interessante und sehr amüsante Vortrag von Prof. Dr. El-Mafaalani gefallen, der die Mühen des sozialen Aufstiegs umfassend untersucht hat.

In Anlehnung an den Habitusbegriff von Pierre Bourdieu zeigte er auf, dass Kinder aus benachteiligten Familien durch das Aufwachsen mit ökonomischer, sozialer und kultureller Knappheit milieuspezifische Denk- und Handlungsmuster (Habitus) entwickeln, mit dem Fokus, die knappen Ressourcen sinnvoll zu nutzen. Investitionen erscheinen damit vor allem dann sinnvoll, wenn sie in einem direkten Verwendungszusammenhang stehen.

Es sind aber genau diese Denkmuster, die den sozialen Aufstieg erschweren können, da das Studium zunächst eine Belastung darstellt, dessen Investition sich nur dann zu lohnen scheint, wenn ein Studium mit größerer Sicherheit auch erfolgreich absolviert werden kann. Die Frage: „schaffe ich ein Studium überhaupt?“, die viele Schüler/innen aus unserer Erstbefragung gestellt haben, könnte somit möglicherweise der Grund dafür sein, dass ein Studium als Option gar nicht erst in Erwägung gezogen wird.

Die „Extremaufsteiger“, die in der Studie untersucht wurden, hatten unter anderem übrigens etwas gemeinsam: Sie hatten in ihrer Jugend einen Unterstützer aus einem höheren Milieu.

Die Studie verdeutlicht uns, dass es wichtig ist, die Kinder „dort abzuholen, wo sie „stehen“. Um die Förderangebote so effektiv wie möglich zu gestalten, müssen wir die Denk- und Handlungsmuster von benachteiligen Schüler/innen und Studierenden verstehen und an die bestehenden Angebote anpassen.

Außerdem hat uns das positive Wording gefallen mit dem die Zielgruppe angesprochen wurde: Schüler/innen, die es trotz Benachteiligungen bis ins Studium schaffen sind Studienpioniere. Es sind ganz klar Aufsteiger!

Wer die Studie übrigens nachlesen will, findet sie unter: http://www.kas.de/wf/doc/kas_36606-544-1-30.pdf?140121131653


Über Bahar Çakir | Studierendenwerk Bonn

Seit meinem Masterstudium Interkulturelle Kommunikation und Bildung an der Universität zu Köln weiß ich: Vielfalt ist eine immense Bereicherung für Deutschland. Meine größte Motivation für das Projekt kommt aber durch meine eigene Biographie. Dass meine Hauptschulempfehlung mich nicht aufgehalten hat das zu machen, was mich fasziniert, lag daran, dass ich Menschen kannte, die immer an mich geglaubt haben. Ich will Menschen dazu ermutigen zu sagen „Ich kann, ich will, ich werde“.


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