Unsere erste Veranstaltung für Schüler geht erfolgreich über die Bühne 1


„Lockere Stimmung, die verursacht hat, dass man keine Angst davor hatte, Fragen zu stellen.“ So lautet der Vermerk auf einem der Feedbackbögen, die wir am Ende unseres Schülerbesuchs im Studierendenwerk in unseren Händen halten und die wir voller Neugier schnell sichten, noch während die letzten Schüler zum Abschied winken.

Ein Vormittag gefüllt mit Programm ist nach einem gemeinsamen Mittagessen in unserer Mensa Nassestraße zu Ende gegangen, 74 Schüler des 12. Jahrgangs der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule haben im Rahmen der Orientierungswoche ihrer Schule daran teilgenommen. Um sie über den Service des Studierendenwerks aufzuklären und ihnen mögliche Ängste vor dem Studienbeginn zu nehmen, luden wir sie zu uns ein. Genauer gesagt in die Räumlichkeiten des Instituts für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Universität Bonn. Das Studierendenwerk hätte die große Gruppe nur mit Mühe fassen können.

Überpünktlich trafen die Schüler in Begleitung von zwei Lehrerinnen vor dem Institutsgebäude ein, welches unweit des Studierendenwerks liegt. Aufgeteilt in zwei Gruppen, ging es in zwei Übungsräume des kleinen Instituts. Dort begann das Programm mit einer Präsentation zum Studierendenwerk, seiner Grundidee, dem Thema Wohnen und BAföG – gehalten von Bahar und mir. Die Schüler lauschten interessiert. Viele stellten schon konkrete Fragen, wie beispielsweise nach der Bewerbungsfrist für Wohnheimzimmer und der Chance auf eins. Auf die Frage, wer studieren möchte, zeigten gut drei viertel auf. Ob sie sich schon für eine Studienrichtung entschieden haben, bestätigten hingegen nur sehr wenige mit einer Meldung.

Sportliche Pause zwischen den Vorträgen mit Sportwissenschaftler Nino Herrscher. Foto: Studierendenwerk Bonn

Sportliche Pause zwischen den Vorträgen mit Sportwissenschaftler Nino Herrscher. Foto: Studierendenwerk Bonn

Um die Veranstaltung lebhafter zu gestalten, sah der nächste Programmpunkt eine interaktive Betätigung vor. Sportwissenschaftler Nino, erst seit Kurzem seinen Bachelor in der Tasche, hielt die erste Gruppe der Schüler auf der Wiese vor dem Institusgebäude auf Trab. Dieser Tagesabschnitt ist laut den Feedbackbögen sehr gut angekommen. Auch an ihm selbst und seinem Werdegang waren die Schülerinnen und Schüler interessiert und umzingelten ihn nach den Bewegungseinheiten, um ihn auszufragen.

Parallel dazu hielt Felix Oberem, Lehramtsstudent Spanisch und Anglistik, eine kleine Einführung in die Beschaffenheit und die Besonderheiten der kleinen im Institut ansässigen Präsenzbibliothek. Dort ist er als studentische Hilfskraft tätig und hat seinerzeit sein Abitur an derselben Schule abgelegt. Mit Anekdoten aus seiner Schulzeit konnte er schnell das Eis brechen. Neben einem Einblick in sein Studium und wie er den Weg dazu gefunden hat, versuchte er insgesamt zur Aufnahme eines Studiums zu motivieren. Professoren, so sagte er, würden auch nur mit Wasser kochen. Anschließend führte er die Schüler in kleinen Grüppchen durch die Bibliothek – unter strengem Redeverbot.
Danach tauschten die Gruppen, sodass alle Schüler beide Programmpunkte erlebten.

Bildungslotse Vitali Thiessen motiviert mit Einblick in die eigene Bildungsbiographie bei der Auftaktveranstaltung von „Studium? Läuft!“ des Studierendenwerks Bonn. Foto: Studierendenwerk Bonn

Bildungslotse Vitali Thiessen motiviert mit Einblick in die eigene Bildungsbiographie bei der Auftaktveranstaltung von „Studium? Läuft!“ des Studierendenwerks Bonn. Foto: Studierendenwerk Bonn

Der eigentliche Schwerpunkt des Tages lag jedoch auf Studierenden, die ganz offen aus ihrer eigenen Bildungsbiographie erzählen und sich damit als Vorbilder eignen. Vier Studierende, zwei davon bei den Bonner InteGREATern tätig, unterstützen uns dabei ehrenamtlich. „Versucht einfach herauszufinden, woran Ihr Spaß habt und was Euch wirklich interessiert“, appellierte Vitali, Medizinstudent an die Schülerinnen und Schüler. Durch die Art, wie er seine Worte wählt, kauft man dem jungen Mann, der mit 11 Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen war, die Authentizität seiner Ratschläge sofort ab. Seinen Weg zum Medizinstudium begründet er mit einem persönlichen Schicksalsschlag. „Ich möchte Euch keinesfalls sagen, Ihr sollt auch alle Medizin studieren“, beeilte er sich zu erwähnen. „Schaut einfach, was Eure individuellen Stärken sind und überlegt, was ihr damit anfangen könnt.“

Marwah A., gerade den Bachelor in Lateinamerikastudien in der Tasche, forderte die Gruppe direkt auf: „Jetzt hab Ihr die Chance, löchert mich mit Fragen!“ Und die ließen nicht lange auf sich warten: Was macht man mit so einem Studium?  Wie war der NC? Was macht man, wenn man aufgrund des NCs nicht aufgenommen wird? Sie gibt detaillierte Auskunft zu dem Aufnahmebedingungen ihres Studiums, und berichtet außerdem aus ihrer Schulzeit – dass es nicht immer leicht war, die Motivation aufrechtzuerhalten, der Wunsch zu studieren schließlich alle Durchhänger vertrieb. Tugce Gergin, die sich derzeit auf ihr Staatsexamen vorbereitet, berichtet von einer Lehrerin, die sie sehr unterstützt hat und zu der sie immer noch Kontakt hat. Ohne sie, so sagt sie und die Unterstützung durch ihre Eltern, hätte sie es bestimmt nicht so weit geschafft. Sebastian Fari Binda studiert ebenso Jura und Anglistik im Nebenfach. Er hat während der Schulzeit gelernt, zu kämpfen und möchte den Schülern Mut machen, ihre Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Sie sollen sich von niemandem unterkriegen lassen, alles hinterfragen und sich auf eigene Fast informieren, was möglich ist.

Die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler bei den Vorträgen der Studierenden war hoch, sie stellten viele Fragen und schrieben später in die Feedbackbögen, dass es ihnen besonders gefallen habe, auf „echte“ Studierende zu treffen und ihnen Fragen stellen zu können. Insgesamt bewerteten 63% der Schüler die Veranstaltung mit „gut“, 26% mit „sehr gut“. Ihren Mitschülern würden 92% die Teilnahme an solch einem Tag weiterempfehlen. Nächstes Jahr, so kündigte die Schule bereits an, möchten sie das gleiche Programm mit dem nächsten Jahrgang machen.

Die Veranstaltung wurde mit Unterstützung der Universität Bonn, InteGREATer e.V. sowie ehrenamtlichen Studierenden realisiert.


Über Alina Rudi - Studierendenwerk Bonn

Nach meinem Magisterstudium der Germanistik und Philosophie an der Universität Bonn schlug ich den Weg in die Öffentlichkeitsarbeit ein. Mit Abschluss des Volontariats in der Abteilung Marketing & Kommunikation des Studierendenwerks Bonn, setze ich als eine von zwei Projektleiterinnen das Projekt „Studium + M“ um – auch hier mit Schwerpunkt auf der Kommunikation. Als Aussiedlerin – ich bin in Kasachstan geboren und im Alter von neun Jahren nach Deutschland gekommen –, möchte ich Studierende mit Migrationshintergrund nicht zuletzt anhand eigener Biografie zum Studium ermutigen.


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