Vorbilder mit Persönlichkeitshintergrund


Da wir noch keine Sprechzeiten für eine Beratung haben und auch gar nicht so lange öffentlichkeitswirksam arbeiten hat sich heute doch eher ganz spontan und zufällig ein Beratungsgespräch mit einer Studentin, die nun im 4. Semester Ernährungswissenschaften studiert, ergeben. Sie erzählte von den Hürden und Zweifeln, die ihr bis ins Studium begegnet sind.

„Noch vor zwei Semestern hatte ich ein Tief und habe sogar schon überlegt abzubrechen.“

Die Studentin, von der ich berichte, hat eine ganz tolle, selbstbewusste Ausstrahlung, sodass man ihr, würde man sie nicht fragen, gar nicht anmerken würde, was sie belastet. Im Gespräch erfahre ich auch, wie viele Interessen und Begabungen sie neben dem Studium auch im kreativen Bereich hat. Sie näht Kleider, malt die Skizzen dafür selbst, sie kocht und backt gerne und hat auch im Studierendenwerk Bonn schon öfters im Rahmen unserer Veranstaltungen die Studierenden mit ihren Kochkünsten begeistert.

Diese Skizze verdeutlicht, dass Studierende mehrere Talente haben, die es zu unterstützen gilt. Foto: Privat/Studierendenwerk Bonn

Diese Skizze verdeutlicht, dass Studierende mehrere Talente haben, die es zu unterstützen gilt. Foto: Privat/Studierendenwerk Bonn

„Ich habe aber das Gefühl, dass ich meine Potenziale gar nicht richtig ausschöpfen kann, weil ich, neben dem Studium noch so viel arbeiten muss.“

Auf die Frage, warum sie sich nicht für ein Stipendium beworben hat oder sich nicht bewirbt, sagte sie, dass sie das Kriterium des hochschulpolitischen Engagements erst seit etwa einem Jahr durch die Leitung einer Hochschulgruppe erfüllt und dass ihre Noten sicherlich nicht ausreichen, um ein Stipendium zu bekommen.

Ich finde das sehr schade, da ich mir sicher bin, dass ihre Persönlichkeit und ihre Motivation etwas zu werden und etwas zu bewegen so sichtbar sind, dass, würde man das Kriterium der Noten nicht beachten, sie das Stipendium mit großer Sicherheit bekommen würde. Wir werden sie in jedem Fall weiterhin unterstützen und nach Möglichkeiten suchen, mit denen sie ihre Begabungen weiterentwickeln kann.

Aber mir kam dennoch ein Gedanke auf: Sind Noten wirklich ein so viel wichtigeres Kriterium, als die Persönlichkeit eines Menschen? Und müssten diese Noten nicht anders bewertet werden, wenn die Schüler/innen und Studierenden, neben dem Studium noch solche Zusatzbelastungen und Benachteiligungen haben, von denen so viele Studien berichten?

Nach diesem Gespräch ist uns außerdem klar, dass es Zeit wird, sich den Geschichten der Schüler/innen und Studierenden anzunehmen und nicht nur im Blick haben, wie wir sie „funktionsfähig machen“. Neben dem Studium und der Arbeit sollte noch Platz für die eigene Persönlichkeitsentfaltung, für Entlastung, für Freuden sein. Es sind genau diese Dinge, die sich hinten anstellen müssen, obwohl sie für die Motivation und die Karriere immens wichtig sind.

Obwohl sich die Studentin mittlerweile mit den Gegebenheiten arrangiert hat, bin ich mir sicher, dass sich ohne finanzielle Sorgen vieles verbessern würde. Aber sie bleibt motiviert und findet unser Projekt sehr gut:

„Leider bin ich zeitlich so eingespannt. Ich möchte aber auf jeden Fall ein Vorbild sein und den Schülern verdeutlichen, dass selbst ich einen Moment hatte, indem ich aufgeben wollte. Außerdem wusste ich ja selbst lange Zeit gar nicht, was ich machen sollte. Die Schüler dürfen sich nicht entmutigen lassen. Sie müssen an sich glauben!“

Das glauben wir auch und heißen unser erstes „offizielles“ Vorbild in unserem Team willkommen.


Über Bahar Çakir | Studierendenwerk Bonn

Seit meinem Masterstudium Interkulturelle Kommunikation und Bildung an der Universität zu Köln weiß ich: Vielfalt ist eine immense Bereicherung für Deutschland. Meine größte Motivation für das Projekt kommt aber durch meine eigene Biographie. Dass meine Hauptschulempfehlung mich nicht aufgehalten hat das zu machen, was mich fasziniert, lag daran, dass ich Menschen kannte, die immer an mich geglaubt haben. Ich will Menschen dazu ermutigen zu sagen „Ich kann, ich will, ich werde“.

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