Wow, was ein Jahr


Projekt „Vielfalt leben. Vom Ihr zum WIR“:  Der Jahresrückblick 2017

Von Ann-Kathrin Landzettel

Das Jahr ist wie im Flug vergangen und es ist eine Menge passiert rund um das Programm „Studium + M“. Was waren die Highlights? Vor welchen Herausforderungen stand das interkulturelle Team des Studierendenwerks Darmstadt? Und welche Wünsche gibt es für das neue Jahr? Ein Rückblick mit Christina Wendt, Projektleiterin von „Vielfalt leben. Vom Ihr zum WIR“.

 

Frage: Was war für dich und dein Team der wichtigste Meilenstein in diesem Jahr?

Christina Wendt: gemeinsamer Workshop mit SchülerInnen und Studierenden der Sozialen Arbeit (h_da)Ein wesentlicher Meilenstein ist der Bereich interkulturelle Weiterbildung. Wir haben es geschafft, Mitarbeitende des Studierendenwerks, Schüler*innen der Albert-Schweitzer-Schule aus Groß-Zimmern und Studierende zusammenzubringen. So konnte zum Beispiel in den Mitarbeiterschulungen ein intensiver Austausch geschaffen werden. Dadurch dass die Gruppen in den Workshops sehr heterogen waren, konnten viele verschiedene Perspektiven beleuchtet werden. Das war für unser Team und die Teilnehmenden eine echte Bereicherung. Die Rückmeldungen zu den Workshops waren durchweg positiv – und der Wunsch nach weiteren Veranstaltungen ist groß. Mit so einer positiven Resonanz haben wir nicht gerechnet.

 

 

Frage: Was hat euch 2017 am meisten zum Nachdenken gebracht?  

Christina Wendt: Was uns interkulturelle Trainer am meisten zum Nachdenken gebracht hat, war das Eisbergmodell, das wir im Hinblick auf Eigen- und Fremdwahrnehmung gemeinsam mit den Teilnehmer*innen unserer Workshops erarbeitet haben. Was ist sichtbar von unserem Gegenüber? Was bleibt uns verborgen? Es ist ein unglaublich interessanter Prozess, das Eisbergmodell von den Teilnehmenden bestücken zu lassen. Da kommen immer wieder neue Erkenntnisse hinzu. Durch diese intensive Auseinandersetzung und gemeinsame Diskussion ist dieses Modell ein wichtiger Bestandteil unserer Workshops geworden. Zudem macht es bewusst, wie schnell wir andere bewerten, beurteilen – und oft auch verurteilen. Es zeigt die eigenen Schubladen im Kopf auf. Und genau das zeichnet interkulturelle Kompetenz ja aus: Dass ich reflektiere und nicht mit meinen festgefahrenen Schubladen losziehe. Je neugieriger und offener wir auf andere zugehen, desto eher wächst das Verständnis füreinander.

 

Frage: Was hat dir 2017 besonders Freude gemacht?

Campusführungen für SchülerInnenChristina Wendt: Ein echtes Highlight war und ist die enge Zusammenarbeit mit der Albert-Schweitzer-Schule in Groß-Zimmern. Unser Tutoren-Team hat gemeinsam mit Schüler*innen der 9. und 10.  Klassen unter dem Motto „Schule ohne Rassismus“ Workshops für andere Klassen erarbeitet. Es war toll zu sehen, wie motiviert alle bei der Sache waren. Kurz vor den Workshops waren alle sehr nervös, aber die Workshops waren ein echter Erfolg. Wirklich: Ein ganz großes Lob an alle. Und es war beeindruckend, wie offen die Schüler*innen waren und wie stark der Gerechtigkeitssinn in den Klassen ausgeprägt ist. Nachdem wir vier interaktive Campusführungen für die 10. Klassen der Albert-Schweitzer-Schule im Oktober und November erfolgreich durchgeführt haben, sind wir aktuell mit der Schule im Gespräch im Hinblick auf Informationsveranstaltungen für Eltern zum Thema Studium und Finanzierung. Campusführungen - Station beim AStAJe früher man Fragen beantwortet, Interesse weckt und zeigt, wo es Unterstützungsmöglichkeiten gibt, desto besser stehen die Chancen, dass die Schüler*innen den Weg in Richtung Studium einschlagen.

 

 

 

 

 

 

Frage: Welche Highlights gab es noch?

Azubis und Studierende gestalten "Interkulturalität" künstlerischChristina Wendt: Wir haben mit dem Projekt wirklich Glück. Wir konnten auch dieses Jahr viele Ideen umsetzen und vieles ausprobieren. Diese Möglichkeiten hat man sonst nicht. Da waren viele Highlights mit dabei. In dem Auszubildenden-Workshop etwa haben wir mit der Künstlerin Zoya Sadri zusammengearbeitet und das Thema „Vielfalt leben“ künstlerisch erarbeitet. Das war wirklich spannend – und ist sehr gut angekommen. Gefreut hat mich auch, dass unser Projekt zwei Studierende zu Studienarbeiten inspiriert hat, die von Felix Straßer und die von Esra Erbas. Beide kommen aus unserem Tutoren-Team. Felix hat sich in seiner Bachelorarbeit am Institut für Soziologie mit der Studie „Zukunftspläne nach der Schule“ befasst. Esra Erbas hat sich in ihrer Hausarbeit mit dem Thema „Symbolische Gewalt im Kontext von Migration“ im Rahmen ihres Bachelor-Studiengangs „Soziale Arbeit plus Migration und Globalisierung“ auseinandergesetzt.

 

Frage: Welches Fazit ziehst du für das Jahr 2017?

Christina Wendt: Das gleiche wie auch in den letzten Jahren: Wenn man etwas bewegen möchte, muss man auf Menschen zugehen und mit ihnen reden. Nur so gelingt die Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Wie bereits in unserem Antrag geschrieben, treten wir für gelebte Vielfalt und eine „Offene Gesellschaft“ ein. Damit Vielfalt als Bereicherung erfahren werden kann, ist es unumgänglich, die eigenen Gedanken und Haltungen zu reflektieren und zu überdenken, andere Meinungen zu akzeptieren und bereit zu sein für Neues. Interkulturelle Kompetenz fängt – meines Erachtens – immer bei uns selbst an. Uns unserer Schubladen im Kopf bewusst zu werden, ist die Basis, auf der unsere Workshops aufbauen und die uns Trainer im Austausch mit sehr unterschiedlichen Teilnehmer*innen immer wieder aufs Neue herausfordern und uns bereichern. Interkulturelle Kompetenz ist ein Prozess – und der hört nie auf.

 

Frage: Was wünscht ihr euch für das kommende Jahr?

Christina Wendt: Das ganze Projekt konnte so vielfältig werden, weil der Austausch untereinander sehr intensiv war und ist. Wir konnten viel experimentieren und haben viel voneinander gelernt. Und das wird auch die Grundlage für 2018 sein. Das wünsche ich mir auch für das kommende Jahr. Schön wäre, wenn man im Anschluss an die Workshops die Möglichkeit hätte, sich nochmal mit den Teilnehmenden zu treffen und zu reflektieren: Wo hat sich was verändert? Was ist in den Köpfen passiert? In welchen Bereichen, im beruflichen und privaten Kontext, haben die Workshops etwas bewirkt? Oder ist doch alles wie vorher geblieben? Das fände ich wirklich spannend. Auch fände ich es schön, die Arbeit mit der Albert-Schweitzer-Schule weiter zu intensivieren. Ich bin sicher: Auch wenn das Programm „Studium + M“ Mitte nächsten Jahres endet – die Reise wird weitergehen. Es gibt viele Ideen und immer wieder neue Anfragen. Da ist ein wichtiger Stein ins Rollen gekommen. Das freut unser ganzes Team.

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